Der Podcast mit Ivo Ryssel
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Lektion 9 · Ein Kurs in Wundern

Bereit sein, neu zu sehen

Lektion 9 – Ich sehe nichts, wie es jetzt ist.

Beitrag 2026 · Zur Lektionsübersicht

Zwei freundliche Strichfiguren begegnen einander im Garten. Die linke hält eine große graue Brille mit alten Gedankenkarten in den Gläsern gesenkt und denkt: „Ich bin bereit, anders zu sehen.“ Darüber: „Offen für einen neuen Blick“; unten wirkewunder.de.
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Gedanken zur Lektion

Ich sehe nichts, wie es jetzt ist.

Vielleicht kannst du den Gedanken verstehen und zugleich kaum glauben. Wenn unser Geist mit vergangenen Gedanken beschäftigt ist, wird auch unser Sehen von ihnen bestimmt. Das klingt nachvollziehbar. Doch wenn du dich umschaust, scheint die Welt genau so da zu sein, wie du sie siehst. Was fangen wir mit dieser Spannung an? Wir können sie wahrnehmen und uns dennoch auf die Übung einlassen.

Wir müssen die Erfahrung nicht bereits haben, zu der uns die Übung führt. Sonst wäre das Lernen überflüssig. Theorie und Praxis wirken zusammen. Beim Autofahren erklärt uns die Theorie, worauf es ankommt. Doch vom Wissen allein können wir noch nicht fahren. Erst in der Anwendung wird daraus ein eigenes Verstehen. So öffnen auch die Gedanken des Kurses unseren Geist. Die Übung lässt uns erfahren, was das Denken allein nicht erschließen kann.

Dabei geht es um mehr als einen veränderten Blick auf dieselben vertrauten Dinge. Der Kurs unterscheidet zwischen der vergänglichen Welt, die wir gemacht haben, und dem Ewigen, das Gott erschaffen hat. Was der Zeit unterliegt, verändert sich. Die Wahrheit verändert sich nicht. Unsere Vorstellungen können sie verschleiern, doch sie können sie nicht beseitigen. Die Wahrheit ist gegenwärtig, auch wenn wir sie noch nicht erkennen.

Das Liebevolle weist uns in diese Richtung. Ein liebevoller Gedanke ist mit seiner Quelle im Einklang. Er führt uns aus dem Gegensatz heraus, in dem Gutes und sein Gegenteil gleichermaßen wirklich scheinen. Der Weg der Vergebung besteht darin, die lieblosen Deutungen unseres Geistes zur Berichtigung zu geben. Wir müssen die Liebe nicht erfinden. Wir lernen, das aufzugeben, was sie vor unserem Gewahrsein verbirgt.

Vielleicht bemerken wir dann auch den Unterschied zwischen Machen und Erschaffen. Wir können viele persönliche Vorstellungen herstellen und sie mit großer Überzeugung vertreten. Doch Erschaffen geschieht im Einklang mit Gott und damit mit allem. Es entspringt keiner Abgrenzung, keinem persönlichen Anspruch gegen andere. Unsere selbst gemachten Ideen müssen deshalb nicht noch vollkommener werden. Wir können bereit sein, sie überprüfen zu lassen.

Die Berichtigung unserer Wahrnehmung ist die Aufgabe des Heiligen Geistes. Unser Teil ist die Bereitwilligkeit. Wenn eine lieblos deutende Überzeugung auftaucht, können wir innehalten: Ist das wirklich so? Wir brauchen weder sofort eine bessere Erklärung noch ein neues Urteil. Wir öffnen uns dafür, anders zu sehen. Die bereinigte Wahrnehmung führt uns an die Erkenntnis heran. Sie ist noch Wahrnehmung; die Wahrheit, auf die sie weist, geht über sie hinaus.

Für die Übung siehst du dich etwa eine Minute lang um. Beginne mit den Dingen in deiner Nähe und erweitere allmählich dein Blickfeld. Sage dir zum Beispiel: „Ich sehe diese Tasse nicht, wie sie jetzt ist.“ Oder: „Ich sehe diesen Arm nicht, wie er jetzt ist.“ Es geht darum, nichts absichtlich auszuschließen. Du musst nicht alles erfassen. Drei oder vier Übungszeiten am Tag genügen.

Vielleicht meldet sich Widerstand, vielleicht sogar Ärger. Dann brauchen wir uns dafür nicht zu verurteilen. Wir können bemerken, dass auch diese Gedanken da sind, und sie als vergangene Gedanken erkennen. Wir lernen. Es ist keine besondere Zustimmung erforderlich, die wir jetzt vorweisen müssten. Die Bereitschaft, die Übung durchzuführen, ist bereits eine Öffnung. Und durch diese Öffnung kann sich ein Verstehen zeigen, das uns von innen her Frieden schenkt.

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