Lektion 7 · Ein Kurs in Wundern
Was bleibt, wenn die Vergangenheit schweigt
Lektion 7 – Ich sehe nur die Vergangenheit
Beitrag 2026 · Zur Lektionsübersicht

Gedanken zur Lektion
Ich sehe nur die Vergangenheit
Betrachte einmal eine Tasse. Du weißt, wofür sie da ist. Du erinnerst dich vielleicht an deinen ersten Kaffee am Morgen, an Wärme in deinen Händen oder daran, wie eine Tasse zerbricht. Vielleicht gefällt dir ihre Form. Auch dieses Urteil beruht auf Erfahrungen. Was weißt du über die Tasse, das du nicht irgendwann gelernt hast? Eine einfache Frage. Und doch stellt sie unser gewohntes Sehen grundlegend infrage.
Wir halten es für selbstverständlich, die Gegenwart mit dem zu beurteilen, was wir bereits kennen. Genau darin scheint unsere Sicherheit zu liegen. Bei Dingen fällt uns das vielleicht noch leicht auf. Doch wir begegnen auch unseren Mitmenschen auf diese Weise. Wir wissen schon, wie jemand ist. Wir erinnern uns an eine Verletzung und erwarten die nächste. So steht zwischen uns und dem Menschen vor uns ein Bild aus der Vergangenheit.
Die Vergangenheit ist vorbei. Dass wir ihre Bilder im Geist festhalten, macht sie nicht gegenwärtig. Dennoch reagieren wir auf diese Bilder, als zeigten sie uns, was jetzt ist. Wir bringen den alten Ärger wieder mit und erleben scheinbar eine Bestätigung für das, was wir ohnehin glaubten. Unser vergangenes Lernen scheint sich selbst recht zu geben. Doch begegnen wir dabei wirklich unserem Mitmenschen? Oder begegnen wir unserer Erinnerung an ihn?
Der Leitgedanke reicht noch tiefer. Er stellt unser gesamtes Sehen zur Betrachtung, einschließlich des Körpers, durch den wir diese Welt erleben. Der Kurs führt uns zur inneren Schau. Sie lässt sich nicht dadurch gewinnen, dass wir die sichtbare Welt genauer analysieren. Wir öffnen uns für einen Geisteszustand, in dem die Vergangenheit nicht mehr den Maßstab dafür bildet, was wirklich ist.
Vielleicht kannst du den Unterschied schon ein wenig spüren. Ein Ärger hat sich gelöst und du bist in Frieden. Jetzt. Der vergangene Ärger ist in diesem Frieden nicht enthalten. Doch dann erinnerst du dich wieder daran, was jemand gesagt hat. Du gehst es gedanklich noch einmal durch. Und schon scheint das Alte die Gegenwart erneut zu bestimmen. Daran können wir bemerken, wie wir selbst an vergangenen Bildern festhalten.
Der Frieden muss dabei nicht neu hergestellt werden. Er ist jetzt in dir zugänglich. Wir lernen, der Liebe zu vertrauen und die Bilder loszulassen, die sie vor unserem Gewahrsein verbergen. Vielleicht kommt dabei Angst auf. Was bleibt von mir, wenn ich meine vertrauten Deutungen aufgebe? Wir brauchen diese Frage nicht mit einer neuen Vorstellung zu beantworten. Wir können uns führen lassen und erfahren, dass uns die Wahrheit nichts nimmt.
Für die Übung lässt du deinen Blick ruhig umherschweifen. Sage dir zu dem, was dir ins Auge fällt: „Ich sehe in diesem Bleistift nur die Vergangenheit.“ Oder: „Ich sehe in dieser Hand nur die Vergangenheit.“ Verweile nicht lange bei einem Gegenstand und übergehe nichts absichtlich. Drei oder vier Übungszeiten von etwa einer Minute genügen. Wir brauchen keine besondere Erfahrung herbeizuführen.
Du musst den Gedanken noch nicht glauben, um ihn anzuwenden. Die Bereitwilligkeit, es könnte anders sein, als du bisher dachtest, genügt für diesen Schritt. Vielleicht ist da für einen Moment Ruhe. Vielleicht begegnet dir auch der Gedanke, das sei langweilig oder unmöglich. Auch ihn können wir in Frieden betrachten. Wir lernen, dem Jetzt Raum zu geben. Und damit einer Begegnung, die von der Vergangenheit nicht festgelegt ist.
Beiträge zu dieser Lektion
Hören und gemeinsam üben
Podcastfolge 2026
Du kannst die Folgen hier hören oder auf Spotify öffnen.
