Lektion 6 · Aufnahme aus 2026
Gefühle anschauen, statt sie wegzuschieben
Ich rege mich auf, weil ich etwas sehe, was nicht da ist.
Vielleicht scheint uns dieser Gedanke zunächst völlig unverständlich. Der Ärger ist doch deutlich zu spüren. Die Sorge beschäftigt uns. Genau hier lohnt es sich, aufmerksam zu werden: Wir werden eingeladen, die Ursache unserer Aufregung neu zu betrachten. Dafür brauchen wir das Gefühl nicht wegzuschieben.
Das Gefühl wahrnehmen
Vielleicht ist das Auto in der Werkstatt und du ärgerst dich. Dann ist dieser Ärger zunächst deine Erfahrung. Ihn mit einem schnellen „Ist doch alles Illusion“ zu übergehen, führt uns an der eigentlichen Übung vorbei. Wir schauen an, was uns beschäftigt. So wird sichtbar, woran wir glauben und welche Bedeutung wir einer Situation geben.
Gefühl und vermeintliche Ursache benennen
Erforsche deinen Geist etwa eine Minute lang. Was macht dir Sorgen? Worüber ärgerst du dich? Wende dann den Leitgedanken konkret an: „Ich ärgere mich über …, weil ich etwas sehe, was nicht da ist.“ Oder: „Ich mache mir Sorgen um …, weil ich etwas sehe, was nicht da ist.“ Wir lassen die bisherige Erklärung für unsere Aufregung überprüfen.
Auch Kleinigkeiten einbeziehen
Ein kleiner Groll scheint vielleicht harmlos. Doch auch er stört den Frieden unseres Geistes. Wenn wir einige Aufregungen behalten wollen, halten wir zugleich an dem Denken fest, das sie hervorbringt. Für die Übung betrachten wir deshalb alle als gleich. Wir brauchen keine davon zu rechtfertigen.
Widerstand mit anschauen
Vielleicht ärgerst du dich sogar über die Übung. Auch das können wir bemerken, ohne uns dafür zu verurteilen. Dann gehört dieser Gedanke zur Betrachtung dazu. Wir müssen weder Zustimmung vorspielen noch ein bestimmtes Gefühl erzeugen. Unsere Bereitwilligkeit zeigt sich darin, dass wir ehrlich hinschauen.
Berichtigung zulassen
Die Übung ist eine Öffnung für die Korrektur unserer Wahrnehmung. Wie sie sich zeigt, legen wir nicht fest. Wir vertrauen dem Heiligen Geist und lassen uns in eine neue Erfahrung führen. Wiederhole die Übung drei-, höchstens viermal am Tag. Den Leitgedanken kannst du außerdem anwenden, sobald dich etwas aufzuregen scheint.

