Der Podcast mit Ivo Ryssel
Zum Folgenarchiv

Lektion 307 · Ein Kurs in Wundern

Wer führt gerade Regie?

Lektion 307 – Widerstreitende Wünsche können nicht mein Wille sein.

Beitrag 2026 · Zur Lektionsübersicht

Strichfigur am Regiepult zwischen einer grauen Gedankenwolke mit Trauer, Ärger und Zweifel und dem Gedanken Ich will Frieden.
Wer führt gerade Regie? · In voller Größe öffnen

Gedanken zur Lektion

Widerstreitende Wünsche können nicht mein Wille sein.

Vielleicht möchtest du einen Streit endlich hinter dir lassen. Zugleich gehst du im Geist noch einmal durch, was du deinem Gegenüber unbedingt sagen müsstest. Du wünschst dir Ruhe und bereitest innerlich schon die nächste Auseinandersetzung vor. Solche gegensätzlichen Wünsche sind uns wahrscheinlich vertraut. Es scheint, als würden zwei Herzen in unserer Brust schlagen. Doch beschreibt diese Zerrissenheit wirklich das, was wir sind?

Unser wahres Sein kennt keinen Konflikt. Wir sind eins in Gottes Geist. Was aus dieser Quelle hervorgeht, steht mit ihr in vollkommener Harmonie. Darin liegen Frieden und Sicherheit: Es gibt nichts Fremdes, das uns angreifen könnte. Unser Wille gehört zu dieser Einheit. Deshalb können widerstreitende Wünsche nicht unser wahrer Wille sein.

Mit der Idee der Trennung stellen wir uns etwas anderes vor. Wir glauben, von unserer Quelle getrennt zu sein, und verlieren dadurch das Gewahrsein dessen, was wir wirklich sind. Unser Sein bleibt erhalten. Doch an die Stelle des Wissens tritt eine Frage: Wer bin ich? Und nun beginnen wir, Antworten über uns zu sammeln.

Du kannst dir das Ego wie eine „Ich-Abteilung“ vorstellen. Dort liegen Unterlagen über deine Vergangenheit, deine Fähigkeiten und Schwächen, über Erfolge und Enttäuschungen. Aus diesen Vorstellungen gibt die Abteilung Auskunft darüber, wer du seist. Bei jeder neuen Erfahrung werden die Unterlagen ergänzt oder umgeschrieben. Doch diese Abteilung hat kein Wissen über dein wahres Wesen. Wir fragen ausgerechnet die Instanz nach uns selbst, die uns nicht kennt.

Solange wir ihren Auskünften glauben, erleben wir die Unsicherheit dieser wechselnden Selbstbilder. Wir müssen sie bestätigen, verteidigen oder verbessern. Dabei zeigt sich Konflikt keineswegs nur in einem offenen Streit. Auch ein leiser Ärger, Traurigkeit oder Verzweiflung können uns darauf aufmerksam machen, welcher Stimme wir gerade folgen. Wir sollten deshalb genau auf unsere Gedanken und Gefühle achten. Ist tiefer Frieden da? Ist Freude in mir?

Wenn wir Unfrieden bemerken, können wir uns fragen: Will ich das wirklich? Was bringt es mir, diesen Gedanken weiterzuverfolgen? Vielleicht erscheint es für einen Moment verlockend, recht zu behalten. Doch wenn wir die Folgen betrachten, erkennen wir, an wie viel Unfrieden wir damit festhalten. Wir sehnen uns nach Frieden. Und dieser Frieden ist bereits Bestandteil unseres Seins. Gottes Wille und unser wahrer Wille sind darin eins.

Hier liegt die Möglichkeit einer neuen Entscheidung. Sage dir: Dies muss nicht sein. Das Ego besteht aus Gedanken, an die wir glauben. Es hat keine Macht, unser wahres Sein zu verändern. Wir können uns entscheiden, seiner Auskunft nicht länger zu folgen, und uns an den Heiligen Geist wenden: Hilf du mir. Zeige mir die Wahrheit. Ich will nicht länger im Konflikt sein.

Dann werden wir still. Wir sollten die entstandene Offenheit nicht sofort mit einer eigenen Erklärung füllen. Unsere Aufgabe ist die Bereitwilligkeit, uns helfen zu lassen. Der Heilige Geist kennt die Wahrheit über uns. Wir geben ihm Raum, statt die Antwort wieder von derselben Ich-Abteilung zu verlangen.

Vielleicht erwartest du nun eine deutliche Anweisung: Was soll ich tun? Was soll ich sagen? Dabei bemerkst du schon eine gewisse Ruhe in dir. Wir sollten diese Erfahrung nicht übergehen. Frieden ist bereits eine Antwort. Du kannst bei dieser Ruhe verweilen und weiter um Hilfe bitten. Vielleicht wird ein nächster Schritt deutlich. Vielleicht erkennst du, dass es im Augenblick keiner weiteren Antwort bedarf.

Dass wir dennoch immer wieder zur Ich-Abteilung zurückkehren, lässt sich so verstehen. Wir haben diese Vorstellungen selbst gemacht und hängen an ihnen. Deshalb braucht es Lernen. Mit dem Ego sammeln wir weitere Vorstellungen über uns. Mit dem Heiligen Geist lernen wir, ihre Unwirklichkeit zu erkennen und sie sanft loszulassen. Wir bemerken nach und nach, dass wir diese Auskünfte über uns nicht brauchen.

Lass uns heute mit Freude beobachten, wer gerade Regie führt. Wenn Ärger oder Unruhe auftauchen, haben wir etwas bemerkt und können neu wählen. Will ich diesen Konflikt wirklich? Oder will ich mich an die Wahrheit erinnern lassen? Unser wahres Sein ist weiterhin frei von jedem Widerspruch. Wir können still werden und uns ihm zuwenden.

Beiträge zu dieser Lektion

Hören und gemeinsam üben

Podcastfolge 2026

Du kannst die Folgen hier hören oder auf Spotify öffnen.