Lektion 306 · Ein Kurs in Wundern
Mit offenen Händen empfangen
Lektion 306 – Die Gabe Christi ist alles, was ich heute suche.
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Gedanken zur Lektion
Die Gabe Christi ist alles, was ich heute suche.
Was müsste noch geschehen, damit du dich vollständig fühlst? Vielleicht müsste mehr Geld da sein. Vielleicht müsste eine Sorge verschwinden oder endlich etwas gelingen, auf das du schon lange wartest. In solchen Erwartungen liegt eine Vorstellung über uns selbst: So, wie ich jetzt bin, fehlt mir etwas. Die Welt soll es mir geben. Und solange wir das glauben, suchen wir in ihr nach einer Ergänzung unseres Seins.
Dabei bindet uns derselbe Maßstab auf ganz unterschiedliche Weise. Wer sich über seinen Reichtum definiert, gibt dem Geld einen Wert. Wer sich als jemand sieht, dem Geld fehlt, tut es ebenfalls. Auch die Sorge um eine Rechnung kann uns zeigen, welche Bedeutung wir damit verbinden. Es braucht Selbstehrlichkeit, das zu bemerken. Welches Bild habe ich von mir? Sehe ich mich als erfolgreich, benachteiligt, als Gewinnerin oder Verlierer? Was ich wertschätze, wird zu einem Teil dessen, wofür ich mich halte.
Unsere Werte bestimmen damit auch unsere Wahrnehmung. Wir suchen nach dem, was uns bestätigen oder vervollständigen soll, und erleben sein Fehlen als Mangel. Zugleich legen wir fest, was wir haben wollen und was wir ablehnen. Diese geistige Auswahl ist eine Begrenzung. Wir lassen unser Sein nicht uneingeschränkt sein, sondern halten an einer bestimmten Vorstellung von uns fest. Das ist Projektion. Die Ausdehnung einer Auswahl. Sie zeigt uns eine Welt, die zu unseren Maßstäben passt, und verdeckt den Blick auf unsere Ganzheit.
Die Gabe Christi ist vollständig. Sie lässt nichts aus. Vollständiges Geben und Empfangen gehören zusammen, denn die Liebe, die wir ausdehnen, ist dieselbe Liebe, in der wir uns selbst erkennen. Wenn wir sie unseren Mitmenschen vorenthalten oder von Bedingungen abhängig machen, begrenzen wir unser Gewahrsein. Unser wahres Wesen kennt diese Auswahl nicht. Es ist bereits ganz. Du brauchst dir nichts hinzuzufügen, um das zu sein, was du bist.
Dieser Vollständigkeit können wir uns jetzt zuwenden. Du kannst still werden und nach innen lauschen. Vielleicht bemerkst du Frieden, Freude oder eine Weite, die keine Bestätigung von außen verlangt. Die Umstände mögen noch dieselben sein. Doch in dieser Erfahrung liegt ein Hinweis: Was du wirklich bist, wird durch äußere Umstände nicht definiert. Dein Sein bleibt unverändert, während deine Erfahrungen wechseln.
Wie leben wir dann in dieser Welt? Du kannst weiterhin deiner Arbeit nachgehen, eine Rechnung bezahlen und dich um deine Mitmenschen kümmern. Dabei können wir lernen, unsere eigenen Bewertungen dem Heiligen Geist zu überlassen und seiner inneren Führung zu folgen. Wir schauen liebevoll auf die Welt, sind mitfühlend und hilfreich. Die Welt darf da sein. Wir brauchen sie nicht zu bekämpfen oder gedanklich zum Verschwinden zu bringen. Wir lernen, ihr keine Macht mehr zu geben, zu definieren, was wir sind.
Das ist ein liebevoller Übergang. Niemand verlangt, dass du alles auf einmal loslässt. Es genügt, die eigene Gewissheit ein wenig infrage zu stellen: Ist das, was ich über mich und diese Situation denke, wirklich die ganze Wahrheit? Bin ich bereit, etwas anderes zu sehen? Wir geben einer neuen Wahrnehmung Raum, soweit wir dazu bereit sind. Der Frieden wird dabei nicht erst hergestellt. Er ist bereits da.
Eine konkrete Erfahrung kann zum Anlass werden, uns selbst genauer kennenzulernen. Vielleicht fühlt sich etwas wie eine Niederlage an. Vielleicht sind wir stolz, recht behalten zu haben. Wir können einen Augenblick innehalten und fragen: Welche Bedeutung gebe ich dieser Erfahrung? Was glaube ich, sagt sie über mich aus? Und was hat sie tatsächlich mit meinem Sein zu tun? So wenden wir uns der Wahrnehmenden oder dem Wahrnehmenden in uns zu. Wir bemerken die Erfahrung und beginnen zu prüfen, ob sie uns wirklich beschreibt.
Falls dabei eine Bindung sichtbar wird, brauchen wir uns dafür nicht zu verurteilen. Ja, dieses Urteil ist mir noch wichtig. Hier möchte ich noch recht haben. Das ehrlich zu erkennen, ist hilfreich. Wir kennen nun einen Maßstab, an den wir uns binden, und können uns fragen: Brauche ich das noch? Wichtig dabei ist: Du bist frei. Auch deine noch festgehaltenen Vorstellungen machen dich nicht schuldig. Wir sind Lernende und sollten freundlich mit uns sein.
Mit leeren Händen, einem offenen Geist und einem offenen Herzen können wir uns der Gabe Christi zuwenden. Wir lassen uns zeigen, was uns längst gegeben ist. Vollständiges Empfangen und Geben werden wieder möglich. Und darin beginnen wir, uns selbst zu erkennen.

Beiträge zu dieser Lektion
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