Der Podcast mit Ivo Ryssel
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Lektion 295 · Ein Kurs in Wundern

Du bist frei, neu zu schauen

Welche Bedeutung geben wir unseren Erfahrungen? Wir sind frei, unsere Bewertungen zu erkennen und den Heiligen Geist um eine andere Sicht zu bitten.

Drei Comicszenen mit Strichfiguren: Bewertungen bemerken, frei zwischen Festhalten und Hilfe entscheiden und den Heiligen Geist um eine andere Sicht bitten. Die äußere Welt definiert mich nicht.
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Gedanken zur Lektion

Wir dürfen mit Freude lernen. Auch dann, wenn wir wieder einmal an einem Gedanken festhalten, der uns den Frieden nimmt. Vielleicht meldet sich sofort diese ungeduldige Stimme: Das müsste ich doch inzwischen verstanden haben! Doch warum sollten wir ausgerechnet die Ungeduld zu unserem Ratgeber machen? Unser Lernen führt uns dahin, zu erkennen, was wir bereits sind. Und das wird durch unseren Ärger über uns selbst weder wahrer noch vollständiger.

Wenn uns ein Umstand bedrängt, können wir einmal genau hinschauen. Welche Bedeutung geben wir ihm? Was scheint er über uns auszusagen? Ein Erfolg macht uns wertvoll, eine Zurückweisung stellt uns infrage. So entsteht aus unseren Bewertungen ein Bild von uns selbst, das wir in der Welt immer wieder bestätigt sehen wollen. Wir schauen auf die Welt und lesen aus ihr ab, wer wir sind.

An dem, was uns wichtig erscheint, können wir unsere verborgenen Wünsche entdecken. Irgendetwas erwarten wir noch davon. Anerkennung vielleicht. Sicherheit. Das Gefühl, jemand Besonderes zu sein. Weil wir daran glauben, erscheint es uns wirklich und bestimmt unser Erleben. Unser wahres Sein bleibt davon unberührt. Doch solange wir uns über diese Bedeutungen definieren, scheinen wir von ihnen abhängig zu sein.

Nun liegt darin eine große Freiheit: Wenn du eine solche Bedeutung bemerkst, musst du sie nicht sofort aufgeben. Du darfst feststellen: Ja, daran möchte ich offenbar noch festhalten. Das Bemerken verpflichtet dich zu nichts. Was wäre das für eine Entscheidungsfreiheit, wenn daraus gleich die nächste Pflicht entstünde? Du bist frei, noch einmal hinzuschauen. Und du bist frei, um Hilfe zu bitten, wenn es für dich stimmt.

Vielleicht nimmt schon diese Einsicht etwas von dem Druck. Wir müssen uns für unsere Wünsche weder schämen noch bestrafen. Wir können sie anschauen. Was verspreche ich mir davon? Brauche ich das tatsächlich, um zu sein? Vielleicht wird eine Bedeutung dabei ganz von selbst uninteressant. Wir entdecken, dass wir auch ohne diese Besonderheit existieren.

In uns ist ein Teil des Geistes, der vollkommen gesund ist. Der Heilige Geist hilft uns, uns ihm zuzuwenden und unsere Wahrnehmung berichtigen zu lassen. Der Christus in uns schaut still auf das, was er liebt, und erkennt darin sich selbst. Sein Blick sucht keine Bestätigung eines besonderen Selbstbildes. Er sieht über die Form hinaus auf das, was uns alle verbindet.

Du kannst diesem stillen Gewahrsein Raum geben. Tritt innerlich einen kleinen Schritt zurück. Lass für einen Augenblick offen, was die Situation bedeutet und was sie über dich aussagen soll. Du brauchst jetzt keine neue Erklärung. Gib dem Frieden in dir Raum. Schau selbst nach, was da ist, wenn du deine bisherigen Urteile einen Moment ruhen lässt.

Der Heilige Geist schaut heute durch mich. Darin liegt eine Einladung, meine Augen für einen anderen Blick zur Verfügung zu stellen. Wenn ich bereit bin, kann ich sagen: Heiliger Geist, hilf mir, anders zu sehen. Ich muss die berichtigte Wahrnehmung nicht selbst herstellen. Meine Bereitwilligkeit öffnet den Raum, in dem ich sie empfangen kann.

Damit verändert sich auch mein Blick auf meinen Bruder. Solange ich mich durch Vergleiche, Erwartungen und Urteile definiere, weise ich ihm eine Rolle in meinem Selbstbild zu. Er soll mich darin bestätigen, dies kann durch Zustimmung, aber auch durch Ablehnung oder Bedrohung geschehen. Es spielt letztlich keine Rolle, wie unsere Profilierung des Selbstbildes erfolgt. Am Ende sind es immer Bedeutungen, Werte und Maßstäbe, die damit verbunden sind. Gebe ich diese Bedeutung zur Berichtigung, darf auch er aus dieser Rolle frei werden. Ich brauche ihn nicht länger als Beweis dafür, wer ich bin. So gehört meine Befreiung mit seiner zusammen.

Auch daraus müssen wir keine Schuld machen. Das Ego ist schnell dabei: Dann bist du also selbst schuld! Doch das ist ein Mechanismus des Ego-Traumes, den wir erkennen und berichtigen lassen können. Unser wahres Sein wird durch diese Bilder nicht verändert. Der vergebende Blick des Heiligen Geistes zeigt uns die Unschuld, die hinter unseren Urteilen erhalten geblieben ist.

Wenn du heute bemerkst, dass dich etwas ablenkt oder ärgert, darfst du dich sogar darüber freuen, es zu erkennen. Da ist offenbar noch eine Bedeutung, an der du festhältst. Jetzt kannst du sie anschauen. Möchtest du daran festhalten? Möchtest du Hilfe annehmen? Die Entscheidung liegt bei dir. Auch dein Lernen darf in Freiheit geschehen.

Die äußere Welt definiert dich nicht. Du darfst dir zeigen lassen, was wirklich da ist, wenn ihre Besonderheiten nicht mehr bestimmen müssen, wer du bist. Frieden. Freude. Die Liebe, in der wir verbunden sind. Und wenn du dich wieder ablenken lässt, kannst du zur Stille in dir zurückkehren. Ohne Vorwurf. Jeden Tag neu.

Deine Checkliste für zwischendurch

Die wichtigsten Gedanken als kleine Erinnerung für deinen Alltag. Speichere die Karte auf deinem Smartphone und schau immer wieder darauf.

Smartphone-Checkliste zu Lektion 295: freie Entscheidung ohne Druck. Keine neutralen Gedanken; Beispiele Erfolg, Ablehnung und Recht haben. Bemerken verpflichtet zu nichts. Wenn ich bereit bin, bitte ich den Heiligen Geist um eine andere Sicht. Entspanntes Strichmännchen mit Tasse.
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