Lektion 293 · Ein Kurs in Wundern
Die wirkliche Welt beginnt in dir
Alle Angst ist vergangen und nur die Liebe ist da.

Gedanken zur Lektion
Vielleicht hast du versucht, der Freude in dir Raum zu geben, und nichts davon gespürt. Keine Freude. Vielleicht nicht einmal Frieden. Dafür Ärger, weil es scheinbar schon wieder nicht gelingt. Das kann ich gut verstehen. Wenn wir etwas ausprobieren und es einfach nicht hinbekommen, werden wir ungeduldig. Doch schauen wir einmal hin: Was genau versuchen wir da eigentlich hinzubekommen?
Wir suchen vielleicht nach einem besonderen Gefühl. Nach etwas, das deutlich genug ist, damit wir sagen können: Jetzt ist sie da, die Freude. Oder wir glauben, dass es erst einen äußeren Anlass braucht, um uns freuen zu können. Doch die Freude unseres Seins braucht keinen solchen Anlass. Sie ist schon da, weil wir sind. Vielleicht bemerken wir zunächst nur ein wenig Ruhe. Wenn wir dieser Ruhe Zeit und Raum geben, entdecken wir, dass sie tiefer reicht. Wir spüren Frieden. Und im Frieden eine stille Freude. Ganz unspektakulär. Einfach so.
Es gibt dabei nichts zu erreichen. Das Ego möchte auch daraus eine Aufgabe machen, die es erfolgreich bewältigen kann. Doch ein Konstrukt der Trennung kann die Einheit nicht erkennen. Wenn wir bemerken, dass wir uns anstrengen, können wir innehalten. Ach, ich lasse es. Es ist überhaupt nicht dringend. Ich will einfach nur Ruhe. Wir erforschen uns. Wir lernen etwas kennen, das längst da ist. Ganz sanft, ohne Druck.
Und wenn der Ärger trotzdem bleibt? Dann brauchen wir uns nicht auch noch darüber zu ärgern. Vielleicht probierst du es einmal spielerisch: Ja, ich ärgere mich jetzt. Und jetzt ärgere ich mich noch mehr. Und noch mehr. Irgendwann bemerken wir vielleicht, was wir da gerade veranstalten, und müssen lachen. Für einen Augenblick hat der Ärger seine Überzeugungskraft verloren. Da ist Raum. Ein kleiner Moment, in dem wir etwas anderes wahrnehmen können.
Alle Angst ist vergangen und nur die Liebe ist da. Wie wäre es, so auf die Welt zu schauen? Wir stellen jetzt einmal keinen Anspruch an die äußeren Dinge. Die können bleiben, wie sie sind. Uns interessiert, aus welcher inneren Welt heraus wir ihnen begegnen. Was würde sich in deinem Leben verändern, wenn du ganz der Liebe vertraust, die dich trägt? Wie würdest du sprechen? Wie würdest du handeln? Schau ganz konkret hin. Vielleicht bemerkst du schon beim Betrachten dieser Fragen, dass eine andere Sicht möglich ist.
Wenn wir unsere Gedanken und Gefühle beobachten, können wir etwas Wesentliches entdecken: Wir erleben diese Welt durch den Körper. Das ist etwas anderes, als ein Körper zu sein. Du kannst Gedanken bemerken, Gefühle wahrnehmen, Körperreaktionen spüren. Doch bist du das, was du da beobachtest? Tritt innerlich einen Schritt zurück und gib dir Raum. Vielleicht spürst du eine Weite, die nicht an den Grenzen deines Körpers endet. Die Erfahrung ist da. Und zugleich bemerkst du dein Sein, das von dieser Erfahrung unberührt bleibt.
Der Körper kann verletzt werden. Doch was sagt das über das aus, was du wirklich bist? Solange wir uns für einen Körper halten, scheint mit ihm auch unser Sein bedroht zu sein. In der Hinwendung zu unserem wahren Selbst beginnen wir, diese Gleichsetzung infrage zu stellen. Wir brauchen den Körper dafür nicht zu verurteilen. Wir können ihn wahrnehmen und gebrauchen, sprechen und handeln. Doch geben wir ihm nicht länger die Macht, darüber zu bestimmen, was wir sind.
Hier beginnt die wirkliche Welt. Sie ist noch immer Wahrnehmung, keine Erkenntnis. Die Kaffeetasse vor dir verschwindet nicht, wenn du dich der Liebe zuwendest. Du schaust weiterhin auf die Formen dieser Welt. Doch du betrachtest sie nun aus der Sicherheit deines Seins. Mit Augen, die vergeben. Die vergangenen Urteile, mit denen wir unsere Angst begründet haben, bestimmen diese Sicht nicht mehr. Die Tasse bleibt. Was verschwindet, ist die Angst.
Diese Welt ist nicht weit weg. Wir brauchen nicht auf eine Zukunft zu warten, in der endlich alles in Ordnung ist. Wir können uns jetzt nach innen wenden und dem Frieden Raum geben. Vielleicht nur für einen kurzen Augenblick. Vielleicht lassen wir uns gleich wieder von einem Gedanken ablenken. Das macht nichts. Dann lernen wir es eben. Wir wenden uns erneut zu. So wird uns der Zugang vertrauter, und wir entdecken, dass wir äußeren Dingen Macht über unser Erleben gegeben haben, die sie über unser wahres Sein gar nicht besitzen.
Die Liebe gibt immer Antwort. Was es von uns braucht, ist die Bereitwilligkeit, sie zu hören. Solange wir an unseren Urteilen festhalten und schon zu wissen glauben, was wirklich ist, übersehen wir das, was gegenwärtig da ist. Die Liebe ist deshalb nicht verschwunden. Ihr Sein hängt nicht davon ab, ob wir sie gerade erkennen. Wir können aufhören, unser Urteil zu verteidigen, und uns für eine andere Wahrnehmung öffnen.
Wenn dabei Traurigkeit, Mutlosigkeit oder Ärger auftauchen, brauchen wir daraus keinen Beweis für unser Scheitern zu machen. Wir können bemerken, dass wir wieder ablenkenden Gedanken gefolgt sind. Sage dir: Stopp. Ich möchte jetzt wahre Gedanken empfangen. Damit verurteilen wir nicht, was wir gerade fühlen. Wir entscheiden, welchem Gedanken wir weiter folgen wollen. Vielleicht richten wir uns mehrmals neu aus. Ein Fehler ist nichts Schlimmes. Er lässt sich korrigieren.
Wie wäre es, heute immer wieder einen Moment innezuhalten? Den Anspruch loszulassen, dass zuerst die Welt anders werden muss? Und stattdessen der Liebe in dir Raum zu geben? Lass dich nicht entmutigen, wenn es schwierig erscheint. Du musst keine besondere Erfahrung erzwingen. Wende dich nach innen. Lausche. Die Liebe ist da. Und du kannst ihr jetzt begegnen.
Deine Checkliste für zwischendurch
Die wichtigsten Gedanken als kleine Erinnerung für deinen Alltag. Speichere die Karte auf deinem Smartphone und schau immer wieder darauf.

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