Der Podcast mit Ivo Ryssel
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Lektion 286 · Ein Kurs in Wundern

Der heilige Augenblick

Mein Herz wird von des Himmels Stille heut umfangen.

Drei Szenen mit Strichmännchen: Ein Gedankenknäuel wird vergeblich mit einem Schraubenschlüssel bearbeitet, in die Stille mitgebracht und verliert beim Empfangen einer Antwort seine Dramatik. Die Schlusszeile lautet: Lass dir die Antwort geben.
Der heilige Augenblick – Gedanken zur Lektion 286 · In voller Größe öffnen

Gedanken zur Lektion

Vielleicht beschäftigt dich gerade ein Problem. Du überlegst, was du tun sollst, gehst verschiedene Möglichkeiten durch und findest doch keine Ruhe. Jede Antwort wirft eine neue Frage auf. Was geschieht, wenn ich mich so entscheide? Was verliere ich, wenn ich den anderen Weg wähle? Wir suchen nach einer Lösung, während unser Denken den Konflikt immer weiterträgt. Der heilige Augenblick eröffnet uns einen anderen Zugang. Wir bringen das Problem dorthin, wo seine Antwort bereits ist.

Solange wir dem Denken des Egos folgen, haben wir nicht einfach einen einzelnen Konflikt. Unser ganzer Geisteszustand ist in Konflikt. Wir betrachten alles durch die Vorstellungen von Trennung, Mangel und möglichem Verlust. Auch unsere vermeintlichen Lösungen entstehen daraus. Wenn wir fragen, ob wir dieses oder jenes tun sollen, fragen wir vielleicht nur: Welche Illusion ist die richtige? Doch wie soll ein Denken, das auf Konflikt beruht, uns aus dem Konflikt führen? Wir brauchen eine Antwort aus einer Quelle, die selbst in Frieden ist. Aus der Wahrheit.

Der heilige Augenblick ist dieser Wechsel unseres Geisteszustands. Wir wenden uns nach innen und geben der Stille Raum. Jetzt. Denn wir können nur in diesem Moment sein. Die Vergangenheit, über die wir nachdenken, ist jetzt ein Gedanke. Ebenso die Zukunft, vor der wir uns fürchten. Doch in der Gegenwart können wir die sanfte Ausdehnung unseres Seins erfahren. Hier ist Frieden. Hier ist die Liebe, die uns mit Gott und miteinander verbindet. Sie muss nicht erst entstehen. Wir werden ihrer wieder gewahr.

In dieser Stille ist alles gegeben. Das Ego mag darin die Erfüllung seiner Wünsche suchen. Doch die Vollständigkeit unseres Seins lässt sich nicht in Besitz oder äußeren Erfolgen ausdrücken. In Gott fehlt nichts. Es gibt keinen ungelösten Konflikt und keine Entscheidung, die wir ihm noch abnehmen müssten. Die Antwort braucht deshalb keine Zeit, um wahr zu werden. Wir brauchen die Bereitwilligkeit, sie zu empfangen. Wir müssen nicht aus eigener Kraft erzwingen, was in der Wahrheit bereits vollbracht ist.

Vielleicht macht uns dieser Wechsel zunächst Angst. Was bleibt von mir, wenn ich meine vertrauten Gedanken loslasse? Verliere ich meine Persönlichkeit? Wir können uns behutsam vorantasten. Uns einen Augenblick der Stille erlauben und schauen, was wir tatsächlich erfahren. Wird uns etwas genommen? Oder fällt eine Last ab? Aus dieser Erfahrung wächst Vertrauen. Wir müssen uns den Frieden nicht einreden. Wir können ihn kennenlernen.

Nimm nun eine Sorge, die dich beschäftigt. Lass sie vor deinem inneren Auge auftauchen, während du ganz in diesem Moment bleibst. Spüre den Frieden in dir und betrachte von hier aus die Gedanken, die um das Problem kreisen. Du brauchst ihnen nicht erneut zu folgen. Frage mit offenem Herzen:

Welche Dramatik steckt wirklich darin?
Ist es überhaupt ein Problem?
Was soll ich tun?

Setze die Antwort nicht selbst fest. Bleibe still und empfangend. Vielleicht erkennst du, dass da eine Gegebenheit ist, doch die Bedrohung, die du in ihr gesehen hast, hier keinen Bestand hat. Die Geschichte verliert ihre Dramatik. Im Frieden deines Seins ist nichts angegriffen worden. Und wenn du noch nicht verstehst, kannst du um Hilfe bitten: Mache es mir deutlich. Ich möchte es erkennen.

Die Antwort kann sich als Inspiration zeigen. Als tiefes Gefühl der Erleichterung. Vielleicht sagt eine Freundin oder ein Freund etwas, und plötzlich erkennst du: Das ist es. Die Liebe kann in unserem Alltag eine Form annehmen, die wir verstehen können und die hilfreich ist. Dafür bleiben wir aufmerksam. Wir schreiben ihr nicht vor, wie die Antwort aussehen muss. Auch eine erforderliche Handlung kann aus diesem Frieden hervorgehen. Sie wird klar und selbstverständlich, weil wir sie nicht mehr unter dem Druck unserer Angst erzwingen.

Vielleicht tauchen weiterhin sorgende oder angreifende Gedanken auf. Doch du kannst sie anschauen, ohne deinen Frieden aufzugeben. Im Licht deiner Präsenz verblassen sie. Du bemerkst: Mein Geisteszustand hat sich verändert. Und die Liebe, die ich hier spüre, ist dieselbe Liebe, die auch im anderen ist. Wen sollte ich an diesem Ort verurteilen? Wir geben der Stille Raum und beginnen, unser gemeinsames Sein wiederzuerkennen. Mein Herz wird von des Himmels Stille heut umfangen. Jetzt.

Hören und gemeinsam üben

Podcastfolgen zu Lektion 286

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